Eine der größten Herausforderungen bestand wohl darin, mit diesem Kodex einerseits einen Qualitätsstandard zu beschrieben, der also die Untergrenze dessen darstellt, was jede FME-Agentur zu jeder Zeit und an jedem Ort zu leisten bereit und in der Lage ist.
Dadurch fühlen sich einige Agenturen naturgemäß unterfordert, da sie auch vor Unterzeichnung des Kodex mehr zu leisten bereit waren. Andererseits mussten die Formulierungen so gewählt werden, dass die Agenturen trotz dieses Standards sich in ihrer Eigenart und Eigenständigkeit in diesem Text wiederfinden konnten.
Das Denkgebäude FME-Qualitätskodex steht genau auf dem Schnittpunkt zweier Bezugsachsen: Zwischen Praxis und Theorie und zwischen Rationalismus (Positivismus) und Tiefenpsychologie (Phänomenologie).
Die einzelnen Bauteile entstanden in dem regelmäßigen und sehr intensiven Austauschprozess im wissenschaftlichen Beirat, zwischen drei (mit Herrn Bergmann früher vier) Wissenschaftlern und den Praktikern. Schon in der ersten Zusammenkunft des WiB am 20. April 2005 wurde das Claim für das Denkgebäude abgesteckt „Begegnungskultur“ (Schwägermann). Die Herausforderung bestand darin, uns immer wieder und bis zum Schluss auseinanderzusetzen und nicht mitten drin einfach aufzuhören.
Bei dem eigentlichen Formulierungsprozess hatten wir – und das verdient ausdrücklicher Würdigung – die Herren Dierker und Scheurer, vor allem der sehr engagierte Herr Semblat als Praktiker zur Seite, die uns Wissenschaftler zwangen, nie die harte Agenturwirklichkeit und den existenziellen „Nahkampf“ um Aufträge aus dem Blick zu verlieren.
Auch wenn die „Baukosten“ für den Kodex aus der Perspektive des Verbands „astronomisch hoch“ erscheinen – für uns bestand die Herausforderung auch darin, die wirtschaftlichen Aspekte hinten an zu stellen und stoisch (in der vagen Hoffnung auf „Ruhm und Ehre“) durchzustehen. Insbesondere das letzte Stück des Weges hat alle Beteiligten sehr stark strapaziert – aber vielleicht auch ein wenig zusammengeschweißt.
Aber auch hier gilt: Das Denkgebäude FME-Qualitätskodex ist zwar jetzt bezugsfertig, aber bei Weitem nicht abgeschlossen. Jetzt müssen die Bewohner die Entwicklung und ggf. weiteren Aus- und Umbau des Gebäudes vornehmen. Die Herausforderung bleibt also an uns alle bestehen! Wir die Architekten werden diesen Entwicklungsprozess weiter beobachten und wenn sein muss auch kritisch kommentieren.